Call for Papers (Deutsch)

Narrating Musicology: Fachgeschichte(n) der Musikwissenschaft

Internationale Tagung des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Bern vom 1.–4. Oktober 2020

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Im November 1996 fand an der Universität Bern ein fachgeschichtliches Kolloquium unter dem Titel Musikwissenschaft – eine verspätete Disziplin? statt. Die Ergebnisse wurden im Jahr 2000 in einem gleichnamigen, von Anselm Gerhard herausgegebenen Sammelband dokumentiert. Tagung und Publikation verfolgten den Ansatz, weniger von einzelnen Personen und Institutionen auszugehen. Vielmehr sollte der Blick auf ideengeschichtliche Tendenzen der Musikwissenschaft seit der Gründungsphase am Ende des 19. Jahrhunderts, auch über den deutschsprachigen Raum hinaus geworfen werden. Dies stellte einen wichtigen Impuls für das vergleichsweise „spät“ aufkeimende Interesse an der Vergangenheit des Fachs dar. Das bevorstehende 100jährige Gründungsjubiläum des Berner Instituts 2021 gibt die Gelegenheit, nach mehr als zwei Jahrzehnten eine Zwischenbilanz zu ziehen: Wo steht die Fachgeschichtsforschung heute? Wie hat das Nachdenken über das Fach die Musikwissenschaft in Forschung und Lehre verändert? Ist Musikwissenschaft (noch immer) eine „verspätete“ Disziplin?

Die traditionelle Dreiteilung des Fachs Musikwissenschaft in historische, systematische und ethnologische Herangehensweisen, aber auch die Etablierung unabhängiger Nachbardisziplinen wie Musiktheorie und Musikpädagogik prägt auch die fachhistorische Forschung. So entstanden verschiedene, mehr oder weniger isolierte und zum Teil parallel existierende fachhistorische Diskussionen, eben verschiedene Fachgeschichten. Die Konferenz legt nun erstmals und umfassend einen Schwerpunkt auf den inter– und intradisziplinären Dialog. Das Berner Kolloquium vor zwanzig Jahren beleuchtete das Spannungsfeld in der Entwicklung eines akademischen Faches „zwischen Fortschrittsglaube und Modernitätsverweigerung“, zwischen internationaler Ausstrahlung und nationalchauvinistischen Tendenzen, das bis in die 1990er Jahre hinein seine Wirkung entfaltete. Doch gelten diese Erkenntnisse heute noch genauso wie damals? Einen ersten Schwerpunkt bildet die Frage, ob die Offenlegung der jeweils historisch bedingten ideologischen Fallstricke und kulturspezifischen Paradoxien des Faches das Selbstverständnis der Musikwissenschaft verändert hat: Wie wirkmächtig bleiben nationale Faktoren in wissenschaftshistorischen Schwerpunktsetzungen? Die Tagung nimmt die Vielfalt fachhistorischer Erzählungen in den Blick. Sie fragt nach Motivationen und grundlegenden Narrativen verschiedener (regionaler) Musikwissenschaftsgeschichten. Dabei möchte sie den Fokus von der westlichen akademischen Hemisphäre auf globale Musikforschungstraditionen ausweiten.

Ein zweiter Schwerpunkt der Tagung liegt auf der Frage nach dem Zweck von Fachgeschichtsforschung. Welche Wechselwirkungen ergeben sich zwischen disziplinärer Selbstbeobachtung und Betrachtungen der Forschungsgegenstände? Was sind die Gegenstände fachgeschichtlicher Forschung? Zudem sollen die Akteure im Bereich der Fachhistoriographie zum Gegenstand gemacht werden: Wer erzählt Fachgeschichten, und ist Fachhistoriographie ein Forschungsgebiet, in dem methodische und inhaltliche Deutungshoheit angestrebt werden kann? Wieviel Gewicht kommt Institutionen bei der Konstruktion von Fachgeschichtserzählungen zu? Welche Rolle spielen Fachgeschichten innerhalb der Profil- und Identitätsbildung von Wissenschaftler*innen, Schulen und Denktraditionen? Wie gestaltet sich fachhistorische Forschung von Musikwissenschaftler*innen in Zeiten des Digitalen Wandels?

Die geplante Tagung soll ein generationenübergreifendes Diskussionsforum bieten, das zum Austausch zwischen Wissenschaftler*innen aus den verschiedenen Teilbereichen der Musikwissenschaft, der Musiktheorie und der Musikpädagogik anregt.

Kernthemen:

  • Schwerpunktsetzungen musikwissenschaftlicher Fachgeschichte (inter-/nationale und ‑regionale Faktoren, Inter- und Intradisziplinarität)
  • Wechselwirkungen zwischen disziplinärer Selbstbetrachtung und Forschungsgegenständen (Akteure, Methoden, Institutionen, Digitaler Wandel)

Wir freuen uns über Proposals (max. 300 Wörter) zu einem der folgenden Veranstaltungsformate:

  • Einzelvorträge (20 Minuten plus 10 Minuten Diskussion)
  • Panels (Drei Vorträge zu einem Thema mit einer Gesamtdauer 90 Minuten)
  • Posterpräsentationen
  • Roundtables oder Workshops
  • Präsentationen von Filmen, Tonträgern oder anderen Medien.

Die Abstracts (max. 300 Wörter) sind bis zum 01. Februar 2020 (verlängert bis zum 16.02.2020) an narratingmusicology@musik.unibe.ch zu senden. Die Ergebnisse des anonymen Begutachtungsverfahrens werden bis Ende März 2020 bekanntgegeben.

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